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Viel Verantwortung, offiziell wenig Handlungsspielraum

Hintergrund & Kommentare


Die Funktion der Pflegefamilie hat sich zum Positiven geändert - der Handlungspielraum ist aber dennoch oft zu eng.



Und da tritt der Kern des Problems zutage - heutige Pflegefamilien sind in der Qualität eindeutig besser geworden und stehen einer leiblichen Familie inhaltlich um nichts nach - haben aber noch immer zu wenig Rechte im Alltag und müssen sich manchmal mit Schwierigkeiten (vor allem bei Behörden) herumschlagen, die beim Ausüben der Elternfunktion hinderlich und unnötig sind.

Es stellt sich die Frage, wieso das Jugendamt es nicht häufiger unterstützt, dass Pflegeeltern mit der Obsorge betraut werden (die verbleibt ja oft bei den "erziehungsunfähigen" Erwachsenen oder beim Jugendamt). Erstens übernehmen diese Pflegefamilien die Familienfunktion sowieso faktisch in allen Belangen und zweitens würden Ressourcen des Jugendamtes geschont werden, müßten nicht unzählige "Anfragen des Erziehungs-Alltags" via oder mit dem Jugendamt (und mit den leiblichen Eltern) geklärt werden (z. Bsp: Unterschriften bei Anträgen, Tauferlaubnis, etc.).

Es stellt sich die Frage:
Wieso "sammelt" das Jugendamt Obsorgepflichten und gibt sie (zum Beispiel nach einer definierten Beobachtungszeit) nicht automatisch an die Pflegeeltern weiter? Wieso erhalten Pflegeeltern, die die Obsorge für Ihre Kinder haben, seit 2007 kein Pflegeelterngeld mehr (wie es seit einigen Jahren in Wien praktiziert wird)?

Es wirkt so, als würde man die Verselbständigung der Pflegefamilien eher verhindern wollen, was könnte der Grund dafür sein? Wäre es denn nicht sehr willkommen, wenn Pflegekinder in normalen Familien groß werden würden, ist es nicht sehr willkommen, wenn die Pflegefamilien Engagement für Ihr Pflegekind zeigen?

Und eine weitere Frage sei in den Raum gestellt,
wieso belässt man maßgebliche Teile der Obsorge oft bei den leiblichen Eltern, wenn diese als ausgewiesenermaßen "Erziehungsunfähig" gelten (sonst wäre das Kind ja nicht abgenommen worden)?

Aus unserer Sicht gibt es da leider zu viele Zugeständnisse an leibliche Eltern - oder manchmal ist es vorauseilender Gehorsam (bevor es zu einem Gerichtsverfahren kommt) oder Konfliktscheue der Verantwortlichen. Selbst wenn man vom Idealfall eines regelmäßigen Besuchskontaktes ausgehen würde (mit einem Treffen alle 2-3 Wochen) - welchen realistischen Stellenwert haben denn leibliche Eltern im Alltag des Pflegekindes nach der Abnahme?

Das Kind verbringt mit ihnen weniger Zeit als mit der KindergartenpädagogIn / LehrerIn, oder Familienmitgliedern und Freunden der Pflegefamilie. Sogar wenn man einen Babysitter fallweise einsetzt, verbringt dieser mehr Zeit mit dem Kind - man erkennt also, das es "Augenauswischerei" oder ein Zugeständnis ist, wenn man leiblichen Eltern die Obsorge belässt - käme jemand auf die Idee, Teile der Obsorge einem Babysitter zu übertragen?

Für uns als Pflegeelternverein steht klar fest:
Wenn man ein Kind in Pflege gibt, dann muß man den Pflegeeltern auch den rechtlichen Handlungsspielraum im Form der Übertragung der vollen Obsorge mitgeben. Derzeit gibt es leider zu viele "Zwitter-Situationen" - viel Verantwortung der Pflegeeltern, doch maßgebliche Teile der Obsorge hat jemand anderer. Eine für Pflegefamilien höchst unbefriedigende Situation - und für die Jugendwohlfahrt sicherlich ein betreuungs- und kostenintensiver Zustand.



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