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Regenbogenfamilien - gleichgeschlechtliche Familien

Ein Pflegekind aufnehmen


Eine Wiener Fachkonferenz beschäftigte sich im November 2011 mit Kindern in gleichgeschlechtlichen Familien

Eine international besetzte Fachkonferenz beschäftigt sich im Auftrag von Stadträtin Sandra Frauenberger mit dem Thema Regenbogenfamilien. Die Konferenz wurde von der Wiener Antidiskriminierungsstelle für gleichgeschlechtliche Lebensweisen (WASt) veranstaltet. Regenbogenfamilien sind Familien, in denen zumindest ein Elternteil homosexuell ist. In anderen Ländern wird dieses Thema schon länger diskutiert, in Österreich etabliert es sich mit einiger Verspätung gerade erst im öffentlichen Diskurs. Gesetzlich sind Regenbogenfamilien in Österreich benachteiligt. Die für Antidiskriminierung zuständige Stadträtin Sandra Frauenberger (Wien) kämpft für die Gleichstellung dieser Familien, denn: "Familie ist, wo Liebe ist!".

So wie der Begriff Familie heute längst nicht mehr nur Vater-Mutter-Kind-Konstellationen umschreibt, sondern eine bunte Vielfalt an Familienformen, so gibt es auch ganz unterschiedliche Zusammensetzungen von Regenbogenfamilien. Diese reichen von lesbischen oder schwulen AlleinerzieherInnen bis hin zu Familiensystemen mit zwei Müttern und zwei Vätern. In Regenbogenfamilien leben leibliche Kinder einerseits und Pflegekinder andererseits und es gibt ganz unterschiedliche Zugänge, Familie zu planen, zu gründen und zu leben. "Und all diesen Lebensrealitäten gilt es, rechtliche Rahmenbedingungen ohne Diskriminierungen zu bieten", meint die neue Sprecherin der Grünen Wien für Lesben, Schwule und Transgender-Personen, Jennifer Kickert.


Bei gleichgeschlechtlicher Elternschaft handelt es sich um kein neues Thema, denn schon immer gab es homosexuelle Einzelpersonen oder Paare mit Kindern, allerdings stammten diese in der Regel aus einer heterosexuellen Lebensphase der Eltern. Neu ist ein geäußertes und realisiertes Interesse an bewusst gewählter Elternschaft in der gleichgeschlechtlichen Lebensphase.


Genaue Zahlen über Regenbogenfamilien gibt es nicht, für Deutschland aber gibt es Schätzungen von etwa 30.000 Kindern in gleichgeschlechtlichen Lebensgemeinschaften. Lesben und Schwule mit Kindern und mit Kinderwunsch sind in Österreich gerade dabei, Gruppen und Organisationen zu gründen und ihre Anliegen als nicht mehr ignorierbare Fragen der Menschenrechte zu formulieren und öffentlich einzubringen. Immer weniger Lesben und Schwule sind bereit, auf ein Leben mit eigenen Kindern zu verzichten, wie das Generationen homosexueller Menschen bisher tun mussten. Sie planen und leben ganz unterschiedliche Konzepte von Elternschaft. Nach wie vor gilt: Lesben haben es bedeutend einfacher, sich einen Kinderwunsch zu erfüllen als schwule Männer.



Gleichgeschlechtliche Pflegeeltern: In Wien seit über 15 Jahren Realität

In Wien gibt es bereits seit mehr als 15 Jahren gleichgeschlechtliche Pflegeelternpaare. Die Stadt Wien ging mit der Kampagne "Wir bringen das zusammen" 2007 aktiv auf diese für die Stadt heute sehr wertvolle Pflegeelterngruppe zu. In jedem Grundmodul des Pflegeelternkurses ist mittlerweile mindestens ein gleichgeschlechtliches Paar ganz selbstverständlich mit dabei. Es zeigt sich auch, dass gleichgeschlechtliche Paare gleich gute Pflegeeltern wie verschiedengeschlechtliche Paare sind.


Anmerkung Igelkinder: Leider ist diese Grundhaltung gegenüber gleichgeschlechtlichen Partnerschaften nicht in allen österreichischen Bundesländern gelebte Praxis - ein vehementer Verteidiger der traditionellen Mann / Frau-Beziehung punkto Pflegekindern ist sicherlich das Land Niederösterreich, das zwar an (auch homosexuelle) Einzelpersonen ein Pflegekind vermitteln, aber an gleichgeschlechtliche Paare eben nicht. Es gibt bereits eine Klage diesbezüglich beim Verfassungsgerichtshof und man darf auf das Ergebnis gespannt sein. Siehe dazu auch: Die Standard

Übrigens, es können auch interessierte gleichgeschlechtliche Paare aus anderen Bundesländern ein Kind aus Wien in Pflege nehmen - die Auflagen dazu erfahren Sie beim Referat für Adoptiv- und Pflegekinder (Wien) - siehe dazu die Bundesländer-Kontaktadressen auf unserer Webseite.



Weitere Themen der Fachkonferenz:


Gesetz zur Eingetragenen Partnerschaft diskriminiert Paare mit Kinderwunsch

Das Gesetz zur Eingetragenen Partnerschaft (EP), das am 1.1.2010 in Kraft trat, ist ein wichtiger Schritt auf dem Weg zur gesellschaftlichen und rechtlichen Gleichstellung. "Der Aspekt der Regenbogenfamilien wurde in das Gesetz aber leider nicht sinnvoll integriert. Das Gesetz ignoriert den Kinderwunsch von Schwulen und Lesben ebenso wie die gelebte Lebensrealität der Regenbogenfamilien", kritisiert Stadträtin Sandra Frauenberger.

Der Wiener Landtag wird daher im November 2011 die Bundesregierung in einem Resolutionsantrag auffordern,
1. den Zugang zu medizinisch unterstützter Fortpflanzung auch für alleinstehende Frauen und Lesben in Eingetragener PartnerInnenschaft zu ermöglichen.
2. die gemeinsame Adoption und Stiefkindadoption für Eingetragene PartnerInnen zu ermöglichen.
3. Die Kategorie "Nachname" für Eingetragene PartnerInnen im Namensrecht abzuschaffen.
4. Die Ehe zu reformieren und auch für gleichgeschlechtliche Paare zu öffnen.


Gleichgeschlechtlich Liebenden wird Fähigkeit zur Elternschaft abgesprochen

Regenbogenfamilien sind in allen europäischen Ländern längst gelebte Realität. "Die Gesellschaft ist aber heteronormativ geprägt. Immer noch begegnen viele Menschen gleichgeschlechtlich liebenden Paaren mit Vorurteilen oder Ablehnung. Ihnen wird oft die Fähigkeit zur Elternschaft abgesprochen", erklärt Mag. Wolfgang Wilhelm von der Wiener Antidiskriminierungsstelle für gleichgeschlechtliche Lebensweisen (WASt). Diese Fehleinschätzung mache auch vor MitarbeiterInnen in pädagogischen, psychosozialen oder betreuenden Einrichtungen nicht Halt. "Mangels flächendeckender Aus- und Fortbildung gibt es auch bei MitarbeiterInnen von Ämtern, Vereinen und Behörden oft Vorbehalte gegenüber Regenbogenfamilien", so Wilhelm.


Das Kindeswohl im Spiegel der Wissenschaft

Dass alle Vorbehalte unbegründet sind, bestätigen mittlerweile eine ganze Reihe von internationalen Studien über gleichgeschlechtliche Elternschaft und über Kinder, die in gleichgeschlechtlichen Familien aufwachsen. Es gilt als empirisch abgesichert, dass Kinder in Regenbogenfamilien gleich gut aufwachsen wie Kinder in anderen Familien.
Entscheidend für die Entwicklung der Kinder ist laut zahlreichen Studienergebnissen nicht die Struktur der Familie, sondern die Qualität der innerfamiliären Beziehungen. Für die gesunde Entwicklung von Kindern und Jugendlichen ist somit nicht die Familienkonstellation bedeutsam, sondern die Beziehungsqualität in der Familie.

Univ.-Prof. Dr. Udo Rauchfleisch, Baseler Psychologe und Psychoanalytiker, kommt zum Schluss, "dass die Befürchtung, Kinder lesbischer und schwuler Eltern (...) könnten in intellektueller, emotionaler oder sozialer Hinsicht negative Entwicklungen durchlaufen, völlig unberechtigt sind" und stellt weiters fest: "Diese Kinder entwickeln sich vielmehr so wie vergleichbare Kinder aus heterosexuellen Familien. In Bezug auf die Empathie gegenüber anderen Menschen und Gleichberechtigung in der Partnerschaft lassen sie sogar eine größere Sensibilität erkennen. "
Zeitmarken der österreichischen "Gleichstellungsgeschichte"

Die Schwulen- und Lesbenbewegung in Österreich hatte auch nach dem Zweiten Weltkrieg weiterhin unter dem Totalverbot der Homosexualität zu leiden, das erst 1971 aufgehoben wurde. Zwischen 1971 und 2001 gab es jedoch neue diskriminierende Sonderstrafgesetze. In den 1980er Jahren folgte die Aids-Krise, die die Notwendigkeit der Absicherung von Partnerschaften verdeutlichte. Mit der Aufhebung des § 209 StGB im Jahr 2002 war der letzte Stein aus dem Weg geräumt, die Marschrichtung der Community ging nun eindeutig in Richtung Partnerschaftsregelung. Seit 2010 nun gibt es die EP, die viele Bereiche abdeckt, das Thema Regenbogenfamilien aber leider nicht.


Die Ziele der Fachkonferenz

Die heutige Fachkonferenz beleuchtet das Thema Regenbogenfamilie aus ganz unterschiedlichen Blickwinkeln. Sie stellt bewusst das Kindeswohl und Bedingungen für eine gelingende Erziehung an den Anfang des Vortragsvormittags und präsentiert aktuelle Studienergebnisse über Kinder in Regenbogenfamilien. Sie geht der Frage nach, in wie weit das Thema Regenbogenfamilie ein Modetrend ist, welche rechtlichen Regelungen es gibt und braucht und verortet das Thema in einem historischen Bezugsrahmen zu den Themen der Schwulen- und Lesbenbewegung des 20. Jahrhunderts. Workshops für Lesben, Schwule und Transgenderpersonen sowie Workshops, die sich an LeiterInnen und an MitarbeiterInnen pädagogischer Einrichtungen sowie an andere ExpertInnen wenden, vertiefen zahlreiche relevante Themenaspekte.
Die Konferenz richtet sich an Führungskräfte und MitarbeiterInnen im pädagogischen und psychosozialen Feld ebenso wie an Lesben, Schwule und Transgenderpersonen. "Wir wollen zum einen für dieses Thema sensibilisieren und dazu beitragen, dass Regenbogenfamilien und ihre Kinder wahrgenommen und respektvoll behandelt werden. Uns ist es ein Anliegen, dass sie in ihrer individuellen Besonderheit wertgeschätzt und in einem guten Zusammenspiel aus Familie und pädagogischem System gefördert werden, wie alle anderen Kinder auch", betont Wolfgang Wilhelm.


Rückfragehinweis für Medien:
Mag.a Marianne Lackner
Mediensprecherin StRin Sandra Frauenberger
Telefon: 01 4000-81853
E-Mail: marianne.lackner@wien.gv.at




Speziell für gleichgeschlechtliche und transGender Familien:

Beratungsstelle COURAGE



Die COURAGE ist die erste vom Bund im Sinne des Familienberatungsförderungsgesetzes anerkannte Beratungsstelle für gleichgeschlechtliche und transGender Lebensweisen und steht in den Themenbereichen Beziehungen und Sexualität, gleichgeschlechtliche Lebensweisen, TransGender und Transidentität, Intersexualität sowie Gewalt und sexuelle Übergriffe als PartnerInnen-, Familien- und Sexualberatungsstelle allen Rat- und Hilfesuchenden zur Verfügung. Das COURAGE-Team berät Einzelpersonen, Paare, Familien und Gruppen und bietet kostenlos und anonym Beratung vor allem für Lesben, Schwule, Bisexuelle, TransGender-Personen und ihre Angehörigen an. Die Beraterinnen und Berater kommen aus den Fachbereichen PartnerInnen-, Familien-, Lebens- und Sexualberatung, Psycho- und Sexualtherapie, Psychologie, Sozialarbeit, Pädagogik, Theologie, Psychiatrie und Neurologie, Rechtswissenschaften, Mediation, Supevision und Coaching. Individuelle Beratung kann sowohl persönlich in einer der Beratungsstellen in Wien, Graz und Innsbruck, als auch telefonisch oder per E-Mail in Anspruch genommen werden. Ein besonderes Anliegen der COURAGE ist die Akzeptanz der vielfältigen und bunten Lebensentwürfe sowie die rechtliche wie gesellschaftliche Gleichstellung aller Liebes-, Partnerschafts- und Beziehungskonzepte.


Internet: http://www.courage-beratung.at/





Wissenschaftliche Studien zum Thema gleichgeschlechtliche Elternschaft

Auf unserer Webseite wollen wir gerne den deutschen Dipl.-Psych. Dominic Frohn vorstellen, er ist Lehrbeauftragter an der Hochschule Fresenius in Köln und wissenschaftlicher Leiter der Studie "Wir sind Eltern! Eine Studie zur Lebenssituation von Kölner Regenbogenfamilien", die sich ausgiebig mit gleichgeschlechtlicher Elternschaft und der
Familiensituation von Regenbogenfamilien auseinandergesetzt hat. Die Studie ist in im vollen Umfang hier nachzulesen: http://www.dominicfrohn.de/downloads/Studie_Wir-sind-Eltern_2011.pdf

Die Webseite von Dipl.-Psych. Dominic Frohn: http://www.dominicfrohn.de/


Fazit (nicht nur dieser Studie):


"Für die gelungene Entwicklung von Kindern ist nicht die sexuelle Identität der Eltern oder die Struktur der Familie an sich entscheidend. Bedeutsam ist die Qualität der Eltern-Kind-Bindung bzw. generell der Beziehungen innerhalb der Familie. (Strukturelle) Diskriminierung hingegen ist der Faktor, der zu Beeinträchtigungen führen kann. Daher ist es - im Sinne des Kindeswohls - unsere Aufgabe, ein Klima zu schaffen, dass die ohnehin bereits existente Vielfalt von Familien aktiv unterstützt und so diese neuen Familienmodelle vor potenziellen Beeinträchtigungen bewahrt.
Insbesondere, da es sich bei gleichgeschlechtlichen Familien um ein expansives Familienmodell handelt." (Frohn)


Als Pflegefamilienverein Igelkinder schließen wir uns dieser Fachmeinung natürlich sehr gerne an und hoffen, dass in naher Zukunft in allen österreichischen Bundesländern Pflegekinder auch in gleichgeschlechtliche Familien vermittelt werden.

Nicht nur aus der Sichtweise der Gleichstellung von gleichgeschlechtlichen Partnerschaften - sondern auch aus der ganz pragmatischen Sichtweise:
Jedes Kind, dass statt eines Heimes oder einer WG in einer Familie (egal ob traditionell oder gleichgeschlechtlich) aufwachsen kann, wäre ein unglaublicher Gewinn für dieses Kind, die Pflegeeltern und die Gesellschaft.






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