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Hintergrund & Kommentare
Die unrealistische Definition von Pflegefamilien als "Familie auf Zeit"
Trotz einer - wie man anhand von Statistiken sieht - anders gelebten Praxis, gelten Pflegefamilien in der öffentlichen Meinung oft als "unsichere" Familien - zum Teil leider auch noch immer unter Fachleuten, die mit Pflegekindern beruflich zu tun haben. Viele glaube, Pflegekinder würden sowieso wieder in die leibliche Familie zurückkehren.
Die Statistik aber belegt, dass die Rückführungen in die Herkunftsfamilie eher unüblich und selten sind.
Es ist daher festzuhalten, dass schon faktisch falsch ist, Pflegefamilien als "Familien auf Zeit" (wird gerne verwendet) zu definieren - diese Definition entspringt einem sozialromantischen Wunschdenken, dessen Grundgedanken es ist, dass sich alles zum Positiven wendet, wenn man nur abwartet. Oder einem Schöndenken der realen gesellschaftlichen Situation - einhergehend mit dem Negieren, dass es erziehungsunfähige Erwachsene gibt, die sich - trotz sozialarbeiterischer Hilfe und Maßnahmen - einfach nicht mehr im Verhalten ändern lassen.
Aber weder positives Wunschdenken noch ein negative Vorurteil ist bei Kindeswohlfragen angebracht - es zählen allein die Fakten und die individuelle Situation. Und wenn man die Fakten betrachtet, so können Pflegefamilien nicht als "Familien auf Zeit" definiert werden - die Verwendung des Begriffes "Familie auf Zeit" beinhaltet eine unrealistische "geschönte" Option auf Rückführung.
Wenn man also als Fachfrau / Fachmann im Pflegekinderwesen die reale Rückführungsquote und das Kindeswohl negiert und dem Ideal einer "Rückführung in eine geheilte leibliche Familie" nachhängt, so ist dies weder ein realistischer Zugang noch irgendwem zuträglich, sondern mitunter sogar für alle Beteiligten äußerst hinderlich:
Weder falsche Versprechungen gegenüber den leibliche Eltern sind hilfreich ("Wenn sich Ihre Situation gebessert hat, dann in einigen Monaten, Jahren, etc. kann das Kind zurückkommen") noch die Verunsicherung der Pflegefamilien (indem man ihren Status als finale Unterbringung negiert) helfen den beteiligten Parteien und somit auch nicht dem Pflegekind.
Deshalb ist es so wichtig, bei der Abklärungsphase Chancen und Risiken, Ziele und Erwartungen allen Beteiligten klar und offen auszusprechen. Erst wenn klar ist, dass das Kind in absehbarer Zeit nicht in der leiblichen Familie bleiben kann, erst dann soll das Kind in Dauerpflege vermittelt werden.
Und dann ist es auch nicht mehr angebracht, von "Familie auf Zeit" zu sprechen oder Pflegeeltern mit in den Raum gestellten Rückführungsoptionen zu verunsichern. Vielmehr ist ein realer Blick notwendig, auch um den leiblichen Eltern bei der Überwindung des Abschiedes, beim Fassen neuer Ziele zu helfen.
Pflegeeltern brauchen diese Sicherheit um sich in feste familiäre Bindungen mit dem Pflegekind einzulassen, um dem Kind neue Wege aufzuzeigen, um die gemeinsame Zukunft für und mit dem Kind planen zu können.
Das genau unterscheidet Menschen, die Kindererziehung als Beruf ausüben von Pflegeeltern: Das Zulassen von familiären Beziehungen, das Zulassen von liebenden Bindungen - das erst gibt dem Kind die Möglichkeit, die traumatischen Erlebnisse in der Herkunftsfamilie hinter sich zu lassen und zu überwinden. Gerade Pflegekinder brauchen nach diesen ersten enttäuschenden Lebenserfahrungen verlässliche aufmerksame Eltern samt der damit verbundenen liebenden festen Bindungen.
Das Gesetz sieht als Priorität das Kindeswohl definiert - und das ist genau dort zu finden, wo stabile Bindungen und ein gesundes, der Entwicklung förderliches Umfeld sind.