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Erfahrungsbericht einer Pflegemama

Ein Pflegekind aufnehmen



Ein Erlebnisbericht der Familie Ofner:


Die Bewerbungszeit:


Eigentlich war ja eine Adoption geplant, aber….


Im Jahr 2003 haben mein Mann und ich uns für ein Wiener Adoptivkind im RAP angemeldet, weil es mit dem Kinderwunsch aus medizinischen Gründen bei uns nicht geklappt hat. Noch im gleichen Jahr haben wir das Pflegeeltern- und Adoptivwerber-Seminar absolviert und unsere Unterlagen wurden geprüft. Ab dann waren wir auf der Warteliste für ein Adoptivkind. Im Jahr 2004 bin ich - ganz überraschend und gegen jede ärztliche Prognose - schwanger geworden. Unser leiblicher Sohn ist heute 5 Jahre alt, und ein gesunder aufgeweckter Bursche.

Als wir im Radio die Werbekampagne für Pflegekinder gehört haben, ist uns unser Kurs wieder eingefallen und nachdem es mit einem zweiten leiblichen Kind nicht funktioniert hat, haben wir uns entschlossen, ein Pflegekind aufzunehmen. Vor allem mein leiblicher Sohn wünschte sich ein Geschwisterkind.

Im Oktober 2006 haben wir uns also im RAP für ein Pflegekind beworben. Die Einladung zu einem persönlichen Gespräch RAP war dann im November, zwei Wochen später fand ein Hausbesuch der Sozialarbeiterin bei uns daheim statt. Bei dem Besuch hat uns die Sozialarbeiterin einen Fragebogen dagelassen, wo wir Wünsche und Einschränkungen bezüglich des Pflegekindes bekanntgeben konnten. Anzugeben war auch, wie die eigene Beziehung zustande gekommen war und weitere Fragen zu unserer Familie. Dann haben wir auf das zweitägige Vertiefungsseminar für Pflegeeltern und die Vermittlung eines Pflegekindes gewartet.




Die Übernahme des Pflegekindes - Mitte Jänner 2007:


Ich erinnere mich, der erste Anruf vom RAP war an einem Dienstag zu mittag, ich war gerade dabei das Essen für meinen Sohn herzurichten. Am Telefon war die Sozialarbeiterin des RAP und nach der Begrüßung fragte sie gleich: "Sitzen Sie?"

Auf den Anruf war ich in dem Moment gar nicht gefasst, ich dachte, es ging um Organisatorisches und es würden noch Unterlagen fehlen für die Bewerbung - aber die Sozialarbeiterin hatte schon ein konkretes Pflegekind zur Vermittlung - eigentlich waren es gleich zwei Kinder: Zwillinge!!!

Mein erster Gedanke war: Ist unsere Wohnung zu klein, ist unser Auto zu klein, werden wir das schaffen? Die Sozialarbeiterin sagte, ich solle mir das in Ruhe überlegen und mit meinem Mann besprechen und sie zurückrufen. Gleich danach habe ich meinen Mann in der Arbeit angerufen und er war auch sehr überrascht und fragte "Was, jetzt schon? Trauen wir uns noch zwei Kinder zu?" Wir waren uns aber sofort einig und sagten der Sozialarbeiterin zu. Es wurde ein Termin für das erste Kennenlernen der leiblichen Mutter und der Kinder im RAP ausgemacht - der Termin sollte eine Woche darauf stattfinden.

Vor lauter Aufregung bin ich an diesem Tag mit Grippe und hohem Fieber (41,2 Grad!) aufgewacht um 7.00 Uhr früh - wollte aber trotzdem die Kinder kennenlernen und den Termin wahrnehmen. Mein Mann hat mich aber überredet daheim zu bleiben. Also wurde der Termin um eine weitere Woche verschoben.

Geplant war zuerst ein Gespräch mit der leiblichen Mutter und danach das erste Kennenlernen der Kinder im Beisein der Krisenpflegemutter, die die Kinder die letzten Wochen betreut hatte.

Leider war die Übernahme ein wenig chaotisch, weil unsere zuständige Sozialarbeiterin gerade auf Urlaub gegangen war und ich ja die Woche davor krank war - von anderen Familien weiß ich aber, dass die Übernahme normalerweise geordneter abläuft.

Zum Termin kam die leibliche Mutter leider nicht, so lernten wir gleich die Kinder (Bub & Mädchen, 8 Monate) und die Krisenpflegemutter kennen. Wir sind sofort auf die Kinder zugegangen, haben sie aus dem Maxi Cosi herausgenommen, die Kinder haben sich gleich an uns gekuschelt. Man konnte sofort erkennen, dass sie sich bei uns wohlfühlen - das war für das Zeichen, dass die Chemie passt und wir uns für die Kinder entscheiden sollen.

Wir waren ca. eine Stunde mit den Kindern beim ersten Mal zusammen, die Krisenmutter hat uns informiert, was die Kinder gerne essen, spielen, etc. Am liebsten hätten wir die Kinder gleich mitgenommen, ein nächstes Treffen mit den Kindern war bei der Krisenmutter zuhause am darauffolgenden Wochenende geplant.

Am Sonntagnachmittag waren wir mit unserem Sohn bei der Krisenpflegemutter zu Besuch, geplant war, dass wir die Kinder am Montag gleich übernehmen sollten - die Krisenmutter hatte einen Urlaub geplant, deswegen war die Übergabe vermutlich so schnell - aber andererseits konnten wir es sowieso nicht erwarten, dass die Kinder zu uns nach Hause kommen.



Das Ankommen daheim…

Mein Sohn (er war damals 2 Jahre) wachte auf und neben ihm lagen die Zwillinge - noch im Maxi Cosi schlafend - im Wohnzimmer. Seine erste Reaktion als er die Kinder bei uns daheim sah war "Pfau Mama, sind das alles meine, gehören die alle mir?"

Die ersten Tage waren schön und stressig zugleich, die Kinder haben sich sehr gut eingelebt und haben Entwicklungsrückstände schnell aufgeholt. Die Kinder sind inzwischen vierJahre alt, gesund und haben sich zu zwei eigenständigen, eigenwilligen Persönlichkeiten entwickelt.

Trotz vieler stressiger Momente haben wir die Entscheidung nie bereut und lieben die Zwillinge genauso wie unseren leiblichen Sohn.



Das Verhältnis zu den leiblichen Eltern:

Vom leiblichen Vater wissen wir nichts, mit der leiblichen Mutter verlief das erste Kennenlernen nicht so gut, da man ihr damals noch nicht so bewusst gemacht hatte, dass die Kinder dauerhaft bei uns leben würden. Das Verhältnis zur leiblichen Mutter hat sich inzwischen aber verbessert und sie ist auch damit einverstanden, dass die Kinder bei uns bleiben und hat die Einwilligung dafür bei Gericht gegeben.

Besuchskontakte gab es (in Summe ca. 10x, ca. einmal im Monat in den letzten zwei Jahren, unter Aufsicht am Jugendamt). Seit sieben Monaten kam sie aber nicht mehr zum Besuchskontakt, wir kennen die Gründe dafür nicht. Für mein Verhältnis zur leiblichen Mutter waren die Besuchskontakte sicher förderlich, weil die anfänglichen Probleme aufgehört haben bzw. die leibliche Mutter gesehen hat, dass es den Kindern bei uns sehr gut geht. Aus meiner Sicht waren die Besuchskontakte für die Kinder sehr belastend, man merkte dies an Reaktionen bzw. hat sich das Mädchen öfters gegen den Kontakt lautstark gewehrt.




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