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Hintergrund & Kommentare
Ein Pflegekind aufnehmen, Motivationen im Wandel der Zeit:
Die Rolle eines Pflegekindes war noch vor einigen Jahrzehnten meist eine andere (Einzelfälle seien hier ausgenommen!), eine zur Pflegefamilie distanziertere - im Wesentlichen darauf reduziert, versorgt und erzogen zu werden. So eine Vorstellung ist das leider teilweise heute noch in den Köpfen der Menschen, die mit Pflegefamilien wenig zu tun haben.
Eine häufig anzutreffende Motivation für die Übernahme eines Pflegekindes war vor einigen Jahren oft noch eine andere, laut Auskunft langjähriger Mitarbeiterinnen im Sozialbereich, meist finanzieller Natur (Pflegeelterngeld) oder die Kinder waren willkommene Hilfe im landwirtschaftlichen Bereich. Positive Ausnahmen gabs damals sicher auch, das möchten wir hier auch festhalten! Es gab auch den Begriff des "Angenommenen Kindes", der den Kern einer liebevollen Beziehung ja eher trifft als der Begriff "Pflegekind".
Der Motivationsgrund "Geld oder Hilfe in der Landwirtschaft", ist aber heutzutage (hoffentlich) nicht mehr anzutreffen und hat sich in den letzten Jahrzehnten geändert und somit auch die Funktion und Qualität einer Pflegefamilie.
Pflegeeltern verstehen sich nicht als temporäre Quartiergeber und Pfleger für die Kinder anderer Leute, sondern verstehen sich als vollwertige Eltern mit der Motivation, einem traumatisierten Kind eine zweite Chance, einen Neustart ins Leben zu geben und das Kind auch im Erwachsenenleben als Wahleltern zu begleiten - das Kind vollen Herzens "anzunehmen".
Viele Pflegeelternwerber sehen in dem Pflegekind die Erfüllung ihres eigenen Kinderwunsches -in Zeiten zunehmender Unfruchtbarkeit bei Männern und Frauen ist dies für viele Paare ein Weg, Ihren Kinderwunsch zu verwirklichen.
Oder es sind AlleinerzieherInnen, die ein Kind auch ohne Partner großziehen wollen oder homosexuelle Paare, die gerne eine Familie gründen wollen und einem Kind ein Zuhause geben wollen. Oder aber auch Familien mit leiblichen Kindern, die einfach etwas "Gutes" an der Gesellschaft tun wollen, oft auch aus dem Motiv der christlichen Nächstenliebe.
Egal welche dieser Motive dahinterstecken, alle haben sie gemeinsam, eine "echte" Familie sein zu wollen mit liebevollen familiären Bindungen, mit Verzicht auf die eigene Interessen zugunsten des Bedürfnisses des Pflegekindes, oft auch mit der bewussten Herausforderung eine Traumatisierung oder eine Behinderung zu behandeln und mit den Folgen zu leben, die aus der Traumatisierung des Kindes resultieren.
Eine Pflegefamilie ist daher nicht mit familienähnlichen Konstrukten - wie zum Beispiel eine SOS-Kinderdorf-Familie oder Wohngemeinschaft - zu vergleichen. Eine Pflegefamilie lebt wie eine leibliche Familie und die Bindungen sind ebenso tiefgreifend.
Die Forderung "eine echte Familie sein zu wollen" (mit allen Rechten!) ist daher nicht falsch - sondern dem Pflegekind enorm zuträglich. Ein Kind hat ein Recht auf Eltern - und diese Elternschaft ist nicht auf biologische Eltern beschränkt sondern auf Elternschaft, die aus der liebevollen Bindung zum Kind und der Übernahme von Verantwortung für das Kind erwächst.