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Die Vermittlung eines Pflegekindes

Ein Pflegekind aufnehmen



Der Ablauf bis zur Vermittlung

Ein Erstgespräch, danach weiterführende Gespräche und Hausbesuche durch das RAP, Pflegeelternwerber stellen Antrag auf Pflegestellenbewilligung (Dauer der Bearbeitung ca. 3 Monate bis 6 Monate).

Parallel dazu: Pflegeelternwerber besuchen das Vorbereitungsseminar für Pflegeeltern.



PFLEGEELTERNAUSBILDUNG IN WIEN

Mit September 2008 wurde die Ausbildung für Pflege- und Adoptiveltern getrennt durchgeführt. Die neue Schulung ist modulartig aufgebaut. Es besteht aus verpflichtenden Grundmodulen und - je nach individueller Voraussetzung der Interessentinnen - verpflichtenden Wahlmodulen. Generell werden die Grundmodule von einer Sozialarbeiterin und einer dafür ausgebildeten Pflegemutter, -vater geleitet.

Alle Module finden an Wochentagen ab 16.30 Uhr statt. Die Dauer eines Moduls beträgt drei Stunden. Eine durchgängige Anwesenheit ist wünschenswert.


MODUL 1: Was uns verbindet - wir wollen ein Pflegekind aufnehmen!

Kennenlernen der TeilnehmerInnen
Auseinandersetzung mit dem eigenen Wunsch und seiner Familie


MODUL 2: Woher kommen die Kinder und was bringen sie mit?

Fantasien zum Kind
Familiengeschichten der Kinder
Hintergrundinformation über Gründe für eine außerfamiliäre Unterbringung


MODUL 3: Ohne Vergangenheit keine Zukunft

Biographiearbeit,
Bedeutung der Herkunftsfamilie für das Kind
Identitätsfindung


MODUL 4: Früh getrennt und aufgefangen

Bindungstheorie
Eingewöhnungsphasen
Aus der Praxis erzählt


MODUL 5: Pflegeeltern als PartnerInnen des Amtes für Jugend und Familie

Rechtliche Informationen, Datenschutz
Unterstützungsangebote des Amtes für Jugend und Familie
Ablauf einer Vermittlung


MODUL 6: So war's bei mir, so war's bei dir

Beschäftigung mit eigener Geschichte und Kindheit
Eigene Wertvorstellungen
Was möchte ich weitergeben?


MODUL 7: Was mich/uns noch interessiert
Vertiefung über verschiedene Themen des bisher gehörten Ausblick


Modul 8: Verpflichtende Wahlmodule

Diese Module stehen den Pflegeeltern einerseits zur freien Auswahl zur Verfügung. Sie sind aber auch für jene Pflegeeltern gedacht, die aufgrund eigener Interessen, wie z. B. Übernahme von Geschwistern gezielter auf ihre künftige Tätigkeit vorbereitet werden. Diese Module werden in Absprache mit Ihrer Sozialarbeiterin gebucht.

¢ Medizinische Fragen und Antworten

Gesundheitlicher Zustand eines Kindes
Welche Untersuchungen erfolgen automatisch nach der Geburt
Was bedeutet APGAR
Welche Risiken können durch Alkoholmißbrauch, Drogenmißbrauch oder Frühgeburtlichkeit, HIV und Hep. C entstehen
Wann ist ein Monitor erforderlich

¢ Frühförderung (für Krisenpflegeeltern verpflichtend)

Wichtige Entwicklungsschritte wahrnehmen
Altersadäquate Förderung
Umgang mit Entwicklungsrückstände


¢ Gesprächsführung mit Kindern


¢ Geschwisterunterbringung/Geschwisterrivalität

Was ist bei der Übernahme von Geschwistern zu beachten
Wie gehe ich mit der Eifersucht der Kinder um
Wie bereite ich mein Kind auf das Pflegekind vor


¢ Umgang mit Emotionen

Welche Gefühle entstehen wenn ein Kind dazukommt
Umgang mit negativen Gefühlen


¢ Pflege eines Kindes

Säuglings- und Kleinkinderpflege aus der Praxis



Nach dem Besuch der Grund- und Wahlmodule findet ein dreitägiges vertiefendes Seminar statt, das ein wichtiger Bestandteil in der Pflegeelternausbildung ist. Die Anmeldung erfolgte in Absprache mit ihrer betreuenden Sozialarbeiterin.


Ort aller Module:

Referat für Adoptiv- und Pflegekinder
Lustkandlgasse 50
1090 Wien


Kontakt:

Tel.: 01/4000/90770
E-mail: kanzlei-rap@wien.gv.at



Nach Absolvierung des Pflegeelternkurses erfolgt üblicherweise die Erteilung der Pflegestellenbewilligung durch RAP/MA11 und die Vermittlung eines Kindes.




Kriterien bei der Vermittlung

Die angeführten Kriterien haben sich aus den negativen Erfahrungen ergeben: Pro Dauerpflegefamilie werden Pflegekinder aus maximal zwei leiblichen Familien vermittelt. Die Begründung: Besuchskontakte sollen realistisch organisierbar und umsetzbar sein, bei zu vielen Kindern aus verschiedenen Familien wäre die Pflegefamilie ständig bei Besuchskontakt-Terminen.

Pflegekind ist das jüngste Kind in der Familie – ein natürlicher Abstand zum nächsten Kind sollte eingehalten werden.

Eltern sollen sich Zeit für Anbahnung und „Eingewöhnung“ nehmen und ein Elternteil in Karenz gehen – Empfehlungsrahmen: ca. 2 Monate bei älteren Kindern, bei Säuglingen länger.


Wie lange dauert üblicherweise die Vermittlung eines Kindes?

Nach Abschluss des Erhalts der "amtlichen Mitteilung" erfolgt eine Unterbringung eines Pflegekindes in einer wartenden Pflegefamilie unterschiedlich rasch. Die hängt von den Kriterien und den Belastungsmöglichkeiten der Pflegefamilie ab. Die Vermittlung erfolgt nach dem Leitsatz: "die geeignete Familie für das zu unterbringende Kind auszuwählen". Die Erfahrung zeigt, dass meist innerhalb eines Jahres vermittelt wird.


Wie alt sind die vermittelnden Kinder?

Üblicherweise vom Neugeborenen bis zum Alter von 2-3 Jahren. Das Alter kann bei der Anmeldung und Vorbesprechung einschränken, falls man das möchte (ebenfalls wie gesundheitliche Risken (siehe "Herausforderungen").


Einzelkinder oder Geschwisterkinder?

Man kann sich auch für Geschwisterkinder anmelden (da könnte dann eines älter sein als 2-3 Jahre). Auch Zwillinge sind keine Seltenheit (im Jahr 2006 gab es zwei (0der gar mehr?) Pärchen).


Wie funktioniert die Integration in die Pflegefamilie?

Es gibt verschiedene Formen, Pflegekinder zu übernehmen: direkt aus dem Spital, aus dem Mutter-Kind- Heim, von Kriseneltern, aus dem Krisenzentrum – nur eher selten direkt von den leiblichen Eltern.

Wenn eine bestimmte Pflegefamilie in Frage kommt, beginnt folgender Vorgang: Familie und zuständige Sozialarbeiterin der Pflegefamilie werden über die bisherige Geschichte und Grund der Unterbringung informiert. Die Pflegefamilie überlegt sich, ob sie sich dieser Aufgabe gewachsen fühlt.

Wenn ein "Ja" erfolgt, dann findet zumeist ein Kennenlernen zwischen Eltern, Pflegeeltern und Sozialarbeiter statt.

Erst danach wird das Pflegekind den Pflegeeltern vorgestellt. Mit der Abfolge des Kennenlernens soll abgesichert werden, dass die Pflegeeltern die Entscheidung für das Pflegekind und seine Herkunft akzeptieren bevor einem der Anblick des Babys die Pflegeeltern emotional beeinflusst.

Wenn leibliche Eltern nicht zum Kennenlern-Termin kommen, beginnt trotzdem die Anbahnung des Kontaktes zum Kind. Die Anbahnungszeit und der Ablauf richtet sich nach dem bisherigen Aufenthalt des Kindes in der Krisenunterbringung und seinem Alter. Säuglinge werden meist rasch in der Langzeitpflegefamilie aufgenommen.


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